Landpartie 2




Weit mit Gras besetzt ist das Gehege, gefasst von Windfiguren im Gehölz.
Kein Haus noch Speicher, doch zittert die Luft und das Lichtmühlenrad
         überm Pflaumengestrüpp.
Kein Zimmer für Gespenster hier, frei, mein ich, und Schatten hinter Türen.
Meines Vaters Jugend liegt und seines Vaters Alter unter gewölbtem Gras,
wie Backstein gelegt und gebrochen, wie Nägel gewiß,
         geworfen ins Gelbe der Wiesen.
So atmet der Sommer. Gras wächst auf Gras, solange es Gras gibt.
Was es nicht gibt: Trauriges Gras, Spuren des Ja und des Neinů
Nicht von den Raben, die immer noch hier sind

Immer noch: Linde und Weißdorn, Eschen, der Draht und verlassene Gläser.
Hier, im Raster der Gräben, standen die Flüchtlinge ihren Moment, frei, mein ich.
Machten sich blind ins Neue davon und sehenden Auges
         ans Weiter.
Immer ist Himmel, und immer ein anderer Regen, fehlt die Katze dem Hund;
         welche Pappeln wirst du gekannt haben?
Geht jene Gegenwart, meine, führt ihre müßigen Schritte, eisern
         über das Weiche, unstet im weniger werden, das ICH.
Schweiß auf der Stirn. Wer verliert mich?
Älter noch, klüger die Jahrzehnte, hässlich fremd und schöner, reicher,
         die Fragen im Sack, arm dranů
Hier nun am offen gelassenen Kriegskindergarten, in der Wucherstätte,
         schädelfrei jetzt.
Welche Verschwendung.
Täusche dich nicht

Jemand hat am Mittag gelacht: Du.
Welche Pappeln wirst du gekannt haben?
Lass dich nicht täuschen, Rabenfreund im Rabenrot:
Jemand hat Bäume gepflanzt

Schönhausen-Schönwalde-Wust, August 2010





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